‚Feuerwerk ist ein
Ausdruck meiner Lebensfreude’
Röbi Keller aus Seewen erlernte den Beruf des
Werkzeugmachers, wanderte schliesslich nach Jamaika aus und fasst nun wieder
Fuss in seiner alten Heimat als ‚Party-Eventer’
Seit fast 15 Jahren lebt er
zumeist in Jamaika, der ‚Fachmann der technischen Unterhaltungswelt’, Röbi
Keller. Nach zahlreichen Abenteuern zieht es ihn nun wieder zurück in die alte
Heimat, nach Seewen. Hier wagt er wieder Neues: die Eröffnung eines Swiss Party
Shops. Es ist nicht das erste Mal, dass der Seebner in seinem beruflichen Leben
wieder neue Wege betritt; doch immer hatte er für seine Unternehmen einen guten
‚Riecher’. Ein eigenes HIFI-Geschäft, ein Catering-Unternehmen, ein Tanzclub,
ein mobiles ‚Feuerwerklädeli’; damit besetzte er stets Marktnischen und war
damit seiner Zeit ein bisschen voraus. Seit anfangs Juli ist der Weltenbummler
wieder vermehrt in der Schweiz anzutreffen. Viele haben ihn bereits wieder
gesehen. Im Vorfeld zum 1. August verkaufte er an der Seebner Bahnhofstrasse
allerlei 1. August-Ware und Feuerwerkskörper.
Von Peter Rickenbacher
Schon anfangs Juli flatterte es
in alle Seebner Haushaltungen, das Flugblatt des ‚Dynamit-Röbi’. Nein, nicht
jenes eines Sprengmeisters im Steinbruch, sondern jenes des ‚Pioneer-Röbis’.
Gemeint ist damit Robert Keller, langjähriger Torhüter des EHC Seewen,
ehemaliger Inhaber des Unterhaltungsstudios ‚HIFI-Keller’ vis-à-vis des Seebner
Bahnhofes und ein bisschen Lebenskünstler. Er ist also wieder in der Gegend
anzutreffen! Spätestens seit seinen legendären Discos unter der Bezeichnung
‚DISCO 2000’ ist sein Name Marke. Und Programm. „Im Wort Dynamit steckt Dynamik.
Und das wiederum passt doch irgendwie zu mir“, meint der Weltenbummler, der
schon bald wieder nach Jamaika abreist. Doch bis es soweit ist, schlägt Röbi
Keller noch einige Nägel mit Köpfen ein. Denn er will schon bald wiederkommen.
Von ‚Mr. Disco 2000’ zum Pyrotechniker
Eigentlich haben ihn schon (fast) alle Seebner irgendwann einmal gesehen. Oder
mindestens von ihm gehört. Denn jahrelang prägte er die Schwyzer
Unterhaltungsszene in mannigfaltiger Hinsicht. Seine Disco-Veranstaltungen unter
der Bezeichnung ‚DISCO 2000’ im alten Casino Schwyz, auf der Seebner Eisbahn
oder in der Aula Brunnen waren legendär. Heute geht der inzwischen 58jährige
Weltenbummler andere Wege, und liebt andere Töne. Jene von Feuerwerkskörpern.
Ton- und Lichteffekte faszinieren den Schwyzer seit Kindsbeinen. Jetzt verkauft
er diese, nachdem er einige Kurse besucht und sich mit diesem interessanten
Metier verbandelt hat. Wie ein roter Faden oder besser gesagt ein roter Blitz
prägen Licht und Ton das Leben des Generalisten. Denn heute ist er fast
hauptberuflich Verkäufer von pyrotechnischen Artikeln, und das mit Leib und
Seele. Er sagt denn auch: „Feuerwerk ist Ausdruck von Lebensfreude!“
Der gelernte Werkzeugmacher
Seine Ausbildung absolvierte der Seebner bei der damaligen Landis&Gyr in Zug als
Werkzeugmacher. Nach dem obligaten Militärdienst, wo er zum Feldweibel der
Stabskompanie 3/72 avancierte, wanderte er mit 21 Jahren aus. Das Ziel hiess
Johannisburg, Südafrika. Dort stellte er als Ein-Mann-Unternehmer Werkzeuge für
Flugzeuge und die Autoindustrie her. Nach drei Wanderjahren auf dem Schwarzen
Kontinent kehrte er zurück in die Schweiz, wo er rund fünf Jahre auf seinem
Beruf bei der Victorinox in Ibach arbeitete. Licht und Ton begleiteten ihn aber
schon damals. Er besuchte einen Audi-Akkustik-Kurs und führte parallel dazu in
seinem Wohnhaus in Unterseewen Reparaturen an allerlei Tonträgern aus. Motiviert
durch einen grossen Kundenzulauf eröffnete er 1979 unter dem Firmennamen ‚HIFI-Keller’
an der Bahnhofstrasse vis-à-vis des Bahnhofs Seewen einen Traum, ein eigenes
HIFI-Geschäft. Dieses betrieb er bis 1991, bevor er es an Ernst Horat, einen
gelernten Radio-/TV-Elektriker, übergab. In diesen zwölf Jahren schaffte sich ‚Röbi’
den Namen als der Disco-Organisator der Region. Die Krönung in dieser
Eigenschaft schaffte er 1986, als er am europäischen Disco-Festival auf der
Allmend in Luzern mit seinem DISCO 2000-Team erstmals in der Geschichte
technischer und Publikumssieger gleichzeitig wurde. Mit in seinem Team war unter
anderem die Tanzgruppe von Sonja Bolfing-Zehnder, die mit ihrer Einlage zur
Disco-Musik Neuland betrat und damit neue Massstäbe setzte. „Die Tanzeinlage der
Girls trug wesentlich zum Publikumssieg bei“, ist sich Röbi Keller heute sicher.
Lebensabschnitt in Jamaika
Es entspricht nicht Röbi, einer Tätigkeit mehr als zwölf Jahre nachzugehen.
Daher kam ihm die Aufforderung seiner damaligen Lebenspartnerin, in ihr
Heimatland Jamaika auszuwandern und dort etwas Neues anzufangen, gerade recht.
Eigentlich aber wollte der passionierte Hobby-Fischer lieber nach Kanada.
Dennoch: vollgepackt mit einer Ladung, die in vier Schiffscontainern verstaut
wurde, begann 1991 ein neuer Lebensabschnitt. Mit viel Material von den
damaligen Landes-Jubiläumsfeierlichkeiten in Schwyz richtete er sich in Kingston
ein. Er baute einen Catering- und Discothekenservice auf und schaffte sich
seinen ‚Dr. Bird-Club’, eine Art Dach-Open-Air-Discothek mitten im Stadtzentrum.
Dieser konnte bis 1200 Personen fassen. Die Resonanz der dunkelhäutigen
Bevölkerung auf den ‚Club des Weissen’ war gross, seine Licht- und Ton-Effekte
überboten alles bisher in Kingston da Gewesene. Rund acht Jahre lang boomte das
Unternehmen des Seebners, bis 1999 politische Veränderungen im Lande die
wirtschaftliche Rezession einleitete. Im Jahr 2000 entschloss sich ‚Dynamit-Röbi’,
sein Werk auf der Insel aufzugeben und an Einheimische zu verpachten. „Das
funktionierte nur teil- und zeitweise. Die Jamaikaner sind für unser Schweizer
Empfinden extrem unzuverlässig. Zudem treibt die allgegenwärtige Armut sehr
viele Leute in die Kriminalität. Gehst du spät nachts aus dem Club, ist
anderntags die halbe Infrastruktur weg!“. Auch nerven ihn die lokalen Behörden.
Denn ‚geholfen’ wird sehr einseitig. „Als Weisser bist du immer ein Aussenseiter
in einem Land der gemischten Völker. Jamaika ist ein multi-kulti Staat, der aus
Nachfahren verschiedenster Kolonien entstand. Der ungezwungenen
Lebenseinstellung in einem Naturparadies steht die Gleichgültigkeit der Menschen
gegenüber. Insgesamt leben zirka 120 Schweizer/innen in diesem Land. Ich war
einer, der es für dortige Verhältnisse lange aushielt…“
Vorwärts schauen
Röbi trauert nichts nach. Er ist froh um die vielen Erfahrungen, die er bis
heute gesammelt hat. Seit rund vier Jahren pendelt er nun zwischen Jamaika und
dem Talkessel Schwyz hin und her. Er schaut vorwärts. Etwas Taschengeld verdient
er bei der KKS Ultraschalltechnik AG, der Firma seines Bruders. „Bald möchte ich
hier in der Schweiz einen Neustart wagen und ein neues Geschäft aufbauen: den
ersten Swiss Party Shop“! Wieder mit Ton und Licht, neu aber auch mit allerlei
Dekorationsmaterial. „Ballone, Fahnen, Partyartikel, Tischbomben,
Feuerwerkskörper für in- und outdoor sind nur einige der Artikel, die ich der
Bevölkerung zum Kauf anbieten will.“ Grundsätzlich möchte er die erste Adresse
werden in Fragen rund um Party-Events. „Ich möchte Partys zu einmaligen,
unvergesslichen Veranstaltungen werden lassen. Mit Licht, Ton und allem drum
herum!“ Dafür rüstet Röbi jetzt auf und bereitet sich vor. Drei Geschäftssparten
sollen seiner künftigen Tätigkeit zugrunde liegen: Organisation von
Grossfeuerwerken auf Seen, A bis Z-Unterhaltungslösungen für allerlei Feste
sowie individuelle Eventorganisation für Firmen und Privatpersonen. Über
fehlende Kundschaft macht sich ‚Dynamit-Röbi’ keine Gedanken. Er schaut dem
künftigen Geschäftsgang gelassen entgegen. „Ich habe die Gabe, mich anzupassen
und bescheiden leben zu können. Grosse Ansprüche kenne ich nicht. Meine
Kundschaft aus ‚alten Tagen’ gibt mir heute noch den Rückhalt, den ich zum Leben
benötige. Das spüre ich jedes Mal, wenn ich für einige Wochen wieder hier in der
Schweiz bin. Ich schaue daher optimistisch vorwärts!“
Wieder in Seewen
Ein Verkaufslokal hat er im Auge. In etwa zwei Jahren soll es soweit sein. Jetzt
beobachtet er die neuesten Entwicklungen auf dem Eventsektor, besucht
regelmässig Messen auf der ganzen Welt. „Die schönsten Feuerwerkskörper werden
in China, in Italien und Spanien produziert. Dorthin pflege ich gute Kontakte.
Aber auch in den Staaten von Amerika gibt es allerlei Attraktives, worauf ich
später zurückgreifen kann.“ Sobald er sein Unternehmen in Jamaika veräussert hat
bzw. losgeworden ist, will Röbi Keller wieder definitiv Fuss in der Gemeinde
Schwyz fassen. Die nächste Zukunft sieht der Seebner in seiner alten Heimat.
„Vielleicht finde ich dann wieder einmal Zeit, einen Match des EHC Seewen zu
besuchen. In Jamaika gibt’s keinen Hockey-Sport, jedenfalls nicht auf Eis.“
Steckbrief
| Name/Vorname: | Keller Robert, Rufname ‚Röbi’ |
| Geboren: | 8. Dezember 1948 |
| Wohnort: |
abwechslungsweise in Seewen und Kingston (Jamaika) |
| Hobbies: | Feuerwerk, Weltwirtschaft und -Politik, Natur/Berge, Fliegenfischen, Musik hören (v.a. Soul, Reggae), lesen. Früher Hockey, als Röbi Stammspieler/Goalie des EHC Seewen war. |
‚Dynamit-Röbi’, Röbi Keller. So kennt ihn (fast)
jeder, als Verkäufer von Feuerwerkskörpern in den Tagen vor dem 1. August.
Pendler zwischen zwei Welten: Röbi lebt seit 1991
in Jamaika, ist jetzt aber wieder vermehrt in seiner alten Heimat Seewen
anzutreffen.
(Fotos: Peter Rickenbacher)
Röbi’s Leben in der Ferne: hier zusammen mit
Partnerin Charmine.
Dr. Bird-Club in Kingston: der ausgewanderte
Seebner schuf sich mitten im Stadtzentrum einen grossen Club auf den Dächern
einer grossen Industriehalle.

Eines von vielen Problemen in Jamaika: Aussicht
von Kellers Club hinunter auf den Vorplatz. Die Reinlichkeit des jamaikanischen
Volkes ist nicht vergleichbar mit dem Hygieneverständnis der Schweizer
Bevölkerung. Inzwischen hat sich die abgebildete Situation – nicht zuletzt dank
heftiger Interventionen des Seebners – drastisch verbessert.
Müll näher betrachtet: Die Armut im Ferienland
Jamaika ist teils unbeschreibbar. Das Bild zeigt einen Einheimischen, der sich
ein Müllsammler als Schlafplatz ausgesucht hat…
(Fotos: Röbi Keller)
Ohne Worte:
‚Jamaica, no problem’!